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Festnahme an der georgischen Grenze

Julian und Nico aus dem Orden Vierzig Morgen waren im Februar und März vergangenen Jahres in Georgien. Doch noch bevor die Fahrt richtig beginnen konnte erlebten die beiden ein kleines Abenteuer an der Grenze.

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Unsere Reise beginnt in Istanbul. Mit dem Bosporus als Lebensader ist die Stadt die Nahtstelle zwischen Mittelmeer und schwarzem Meer, Orient und Okzident. Reisende sollten acht geben und sich nicht allzu lange in Istanbul aufhalten – so warnt man uns – denn sonst würde einen die Stadt mit all ihrem Zauber ganz und gar verschlingen

Lange haben wir so oder so nicht vor zu bleiben, denn unsere Reise soll bald weiter gehen: Nach Ostanatolien und nach Georgien. Den großen Basar und den Gewürzmarkt sollte jedoch jeder Istanbulreisende gesehen haben. Der Basar wurde bereits im 15. Jahrhundert unter Sultan Mehmet II errichtet und war ursprünglich Handlungsort für edle Stoffe, wertvolle Antiquitäten und Edelsteine. Diese muss man jedoch heute zwischen Nippes und und Ramsch suchen. Ledigtlich das energische Feilschen mit den Händlern hat sich wahrscheinlich im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert.

Froh darüber dem Lärm und dem hektischen Treiben der Millionenstadt zu entkommen brechen wir per Tramp und mit Minibussen gen Osten auf. Wir reisen durch das zentralanatolische Hochland nach Van und von dort nach Igdir. Hier ist tiefer Winter mit bis zu minus 20°C in der Nacht, weshalb wir oft die Angebote unserer Tramps wahrnehmen und ihre Gäste werden. Die Nächte im Zelt beginnen erst erträglich zu werden als wir in einem Hotel drei zusätzlichen Wolldecken ergaunern können.
Vorbei an iranischen Grenzanlagen sehen wir schon bald in der Ferne den biblischen Berg Ararat, der mit über 5000 m Höhe eindrucksvoll im Abendlicht glänzt. Hier soll Noah nach der Sintflut mit seiner Arche gelandet sein.

Die Eiswüste erstreckt sich noch von Igdir nach Kars doch schon bald schlängelt sich unsere Fahrstraße bergab: es geht Richtung Georgien.

Eiswüste zwischen Igdir und Kars

Wir passieren die türkisch-georgische Grenze in den frühen Abendstunden zu Fuß und können ohne Probleme einreisen. Da es schon fast dunkel ist beschließen wir nach etwa drei Kilometern unser Lager aufzubauen. Wir verlassen die Grenzstraße und finden einen windgeschützten Schlafplatz auf einer kleinen Anhöhe abseits der Straße. Wir beginnen gerade unser Zelt aufzubauen als wir in der Ferne Motorengeräusche wahrnehmen: Ein Motorrad kommt quer Feld ein in hohem Tempo auf uns zu gefahren.

Es ist ein, mit Maschinenpistole bewaffneter, Grenzbeamter der schon von weitem auf georgisch brüllt. Wir verstehen ihn nicht und er versteht uns nicht, wir müssen uns aber von unseren Rucksäcken entfernen, dürfen die Hände nicht in die Taschen stecken und uns auch sonst nicht bewegen. In der Ferne hören wir wieder Motorgeräusche. Ein Pritschenwagen und ein weiteres Motorrad kommen holprig auf uns zu und kreisen uns ein. Vier weitere bewaffnete Grenzer versuchen uns auf georgisch anzusprechen – Englisch spricht keiner. Wir werden durchsucht und man nimmt uns unsere Kamera sowie unser Handy ab, die Rucksäcke werden ebenfalls beschlagnahmt. Im Pritschenwagen fahren wir, von zwei Grenzern bewacht, durch die Berge. Wir dürfen nicht sprechen.

Der Wagen und die Motorräder stoppen an einer Grenzstation wo wir ausgeladen und in ein leeres Büro gebracht werden. In den nächsten drei Stunden passiert nichts.

Plötzlich öffnet sich die Tür und zwei Männer betreten den Raum. Der eine ein ranghoher Grenzer, der andere im Anzug. Letzterer begrüßt uns auf englisch. Endlich können wir unsere Situation erklären: German scout … hiking … sleeping in a tend. Der Grenzer lässt sich alles was wir sagen übersetzen und erkennt schon bald, das wir nur harmlose Wanderer sind – bis jetzt hatte man uns für Spione gehalten. Dem Grenzer tut die ganze Situation unglaublich Leid und ehe wir uns versehen sitzen wir mit Dolmetscher und den sechs Grenzern an einem Tisch. Es gibt reichlich Essen, Wein und Jaja (Tresterschnaps) und natürlich jede menge Entschuldigungen. Später werden wir noch ca. 20km ins Landesinnere gefahren wo wir unser Zelt aufbauen können und bekommen eine Telefonnummer, für den Fall „if we would have any kind of problem“.

Als Gott das Land unter den Menschen aufteilte, waren die Georgier so mit Essenund Trinken beschäftigt, dass sie zu spät kamen und leer ausgingen. Als sie jedoch Gott zu ihrem Gelage einluden, gefiel und schmeckte es ihm so gut, dass er ihnen das beste Land gab, das er eigentlich für sich selbst behalten wollte.

So besagt es eine georgische Legende. Die Natur Georgiens ist in der Tat beeindruckend doch ist es aufgrund der Müllberge am Straßenrand in denen Gänse und Kühe wühlen fraglich, ob die Georgier selbst ihr „Gottesland“ zu schätzen wissen. Wir erleben dennoch einige wunderschöne Tage beim Wandern und sind von der Landschaft beeindruckt. Die Kreuze, Kapellen und Kirchen am Wegesrand sind stetiger Begleiter denn schon im 4. Jahrhundert wurde das Christentum Staatsreligion der Georgier.

Als nächstes erreichen wir Gori, den Geburtsort Stalins und Kriegsschauplatz des Kaukasischen 5 Tage Krieges 2008. Ksanis-Ziche ist die mächtige Festung aus dem 16. Jhrd. im Zentrum, von der man einen guten Überblick über die Stadt bekommt. In der Nähe Goris befindet sich das Höhlendorf Uplisziche, das bereits im 6. Jhrd. Vor Christus errichtet wurde und Handelsstation der legendären Seidenstraße war. Die in den Sandstein gehauenen Räume und Verzierungen beeindrucken uns sehr und wirken aufgrund ihres alters fast magisch.

An der Schwarzmeerküste sieht das Wetter dann etwas freundlicher aus. Hier erfreuen wir uns den Palmen und den gelegentlichen Sonnenstrahlen. Zunächst noch in der autonomen georgischen Republik Abchasien, dann wieder in der Türkei, trampen wir Richtung Istanbul denn selbst als Student hat man nicht unendlich Zeit.

Bis zur nächsten Fahrt. Horridoh!

Von:

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