07

11

„Wir haben den Berg erklommen, Jahrhunderte uns umwehen“!

Nun mehr ein Jahr ist es her, dass wir uns als Meißnerjugend von 2013 auf unserem Berg versammelten, um ein Lager voller Wiedersehensfreude, Tiefsinn aber auch der Kontroverse, die unsere Bewegung umgibt, lebensbejahend zu verbringen.

Vom 10.-12.10.14 wollten wir uns nun im Kreise einiger Meißner-Enthusiasten in Sichtweite des Hohen Meißners treffen, um nicht nur 100 Jahre Bestand der Formel zu feiern, sondern uns auch für immer auf dem Lagerplatz zu verewigen. Der Gedenkstein mit dem von Andy entworfenen Meißnersymbol wurde nach dem Lager in Berlin durch unseren Steinmetz Sille in mühevoller Handarbeit fertiggestellt. Das Ergebnis lässt uns alle sprachlos werden und ist dem Lager und allem was es umgibt mehr als würdig.

Ich möchte euch nun einen kleinen Einblick in unsere Erlebnisse und das Wochenende am Berg der Jugend geben.

Von Sebastian Arps (Erbse) Freie Pfadfinderschaft Nordland e.V.

P1030356

Freitag

Stunde um Stunde, die ich länger am Steuer sitze, Kilometer um Kilometer, die wir dem Meißner näher kommen, die Spannung steigt ins Unermessliche. Aus dem Norden machten wir uns am den Weg. Wir waren in dem Fall Felix aus dem VCP Kiel und Olli aus der PSD, den wir auf halber Strecke in Hodenhagen einsammelten, sowie meine Wenigkeit Erbse aus der Freie Pfadfinderschaft Nordland. Nach langer Fahrt nähern wir uns endlich unserem Ziel. Wir wollten uns auf dem Lagerplatz Meißnerblick in Orferode treffen. Angekommen, steigt mir gleich der brennende Duft eines Feuers in die Nase. Die ersten aufgebauten Kothen werfen bereits ihren Schatten in unsere Mitte. Der Feuerschein weist uns den Weg und lässt uns erste bekannte Gesichter erkennen. Nach herzlichem Empfang ziehen wir unter den Linden unsere Kothe hoch. Rasch überfällt mich die Müdigkeit und lässt mich bei ausklingendem Gesang aus einiger Entfernung, schnell in einen tiefen und zufriedenen Meißnerschlaf fallen.

Samstag

Der prasselnde Regen auf der Kothenbahn und das erste Tageslicht lassen mich schnell erwachen. Erste Stimmen und Schritte ertönen, aber auch ein Schnarchen aus meiner Kothe. Da wo am Abend noch ein Platz frei war, liegt nun ein Schlafsack mit erstaunlich lautem Inhalt. Nach einigen Minuten erwacht der Inhalt und entpuppt sich als bekanntes Gesicht. Magges steckt seinen Kopf aus dem Schlafsack und wünscht mir einen guten Morgen. Karo zwingt uns liebevoll aus der Kothe und nach kurzem Waschen sitzen und stehen wir schon beim gemeinsamen Frühstück. Till schlägt die Klampfe und das erklingende Lied scheucht auch die letzten Schlafmützen aus den Kothen. Jeder hat etwas zu unserem Frühstück beigetragen und eine großartige Vielfalt macht die Auswahl schwierig. Während die letzten noch einen großen Schluck vom warmen Kaffee genießen, beginnt die gemeinsame Tagesplanung.

Der Stein war ruckzuck auf einen Bollerwagen geladen, doch wirkt dieser unter dem 90 kg schweren Stein etwas verloren. „Den Affen geschultert, die Klampfe zur Hand“ Nun geht es los. Vom Lagerplatz zunächst hinunter ins Dorf und dann hinauf zum Meißner. Till sorgt für die musikalische Untermalung. Stimmen schwellen an, aber auch immer wieder nachdenkliche Stille. Viele Gespräche entstehen und die Landschaft zieht rasch an uns vorbei. Am Fuße des Meißners wurde es dann schweißtreibend. Zwei zogen den Stein und ich schob, mit Affe auf dem Rücken von hinten. Stück für Stück schafften wir den Stein den Berg hinauf, mehr und mehr Schweißperlen laufen über unsere Köpfe, doch der Wille und die Überzeugung für den Meißner und den Stein sind wohl stärker. Schon bald erblickten wir die Holzhütte am Grund des Meißnerlagerplatzes. Von diesem Moment an wurde jeder Meter steiler, zumindestens gefühlt. Nur noch wenige Meter trennten nun den Stein von seinem für ihn bestimmten Platz. Endlich! Es ist geschafft und alle sind glücklich diesen Weg gemeinsam gegangen zu sein.

Nach einer kurzen Stärkung kümmerte sich Andy mit tatkräftiger Unterstützung um einen tragfähigen Unterbau, auf dem der Stein dann platziert wurde. Es war Nachmittag und das Wetter hatte sich gut entwickelt. Warme Sonnenstrahlen und ein wenig Wind begleiteten während des Aufbaus. Nachdem die Kothen alle standen, begannen wir mit dem Aufbau der Ovaljurte, die Gerte organisiert hatte. Eine schöne große Feuerstelle konnten wir mit vereinten Kräften auch sehr schnell ausheben. In Windeseile war das Feuerholz verstaut und die Jurte für einen Abend in geselliger Runde vorbereitet. Einige von uns machten sich nun auf, um noch einmal über den Lagerplatz und die Festwiese zu laufen. Wohl auch in der Hoffnung noch etwas Interessantes zu entdecken. Nur die Feuerstelle des Westforums, einige zurückgelassene Papphocker und Kothenstangen liefen uns noch über den Weg. Ansonsten schien der Platz nun wieder eine einfache Weidewiese am Hang eines Berges in Hessen zu sein. Auf der Festwiese standen bereits wieder Kühe und da, wo auf unserem Lager die große Bühne stand, hatten die Kühe ihr Geschäft verrichtet.

Den Abend wollten wir nun mit einem köstlichen Essen beginnen. Es gab ein Chilli das wirklich wunderbar war. Als nicht-Vegetarier habe ich mich dann auch nochmal an das vegetarische Gericht heran getraut und war sehr von diesem Geschmack überrascht. Als Nachtisch gab es dann noch einen Schokopudding, der ebenfalls ganz wunderbar geschmeckt hat. Alles in Allem kann man nur ein großes Lob an die Köche schicken.

Nach dem gemeinsamen Essen erklangen Lieder. Laute und leise, reißerische und Liebeslieder, alle genossen den Moment in der Jurte auf dem Meißner.

Die Dunkelheit hatte uns schon längst in ihren Mantel gehüllt, da machten wir uns also nun im Schweigemarsch bei Fackelschein auf den Weg zu unserem Meißnerstein. Auch den Stein vom Lager 1988 erhellten wir mit unseren Lichtern. Wir sammelten uns und unsere Gedanken, Mondlicht schien und Francas Worte drangen tief in uns ein. Dann erklingen Melodien, Stimmen schwellen an, ich bekomme eine Gänsehaut. Dann einträchtige Ruhe, Schweigen! Keiner wagt zu atmen. Alle genießen den Moment. In meinen Gedanken lasse ich das Lager noch einmal Revue passieren. Es zieht an mir vorbei. Groß war es und ebenso groß wird es in meinen Erinnerungen immer bleiben. Doch ist es zeitmäßig nur ein Wimpernschlag meiner Jugendbewegten Zeit.

Der weitere Abend wurde dann noch geprägt durch viele gute Gespräche in bunter Runde, zahlreiche wundervolle Lieder und die ein oder andere Hopfenkaltschale.

[Not a valid template]

Der letzte Augenblick

Ebenso schnell wie alles begonnen hatte, sollte es nun auch schon wieder vorbei sein. Nach dem Aufstehen bei wunderbarem Sonnenschein verbringen wir den Morgen mit einem reichhaltigen Frühstück. Danach vollzogen wir den Abbau und das Aufräumen unseres kleinen Schwarzzeltlagers. Das Wochenende war großartig und es war wunderschön in dieser Runde für mich einen symbolischen Abschluss vom Lager zu finden. Vielen Dank an das Planungsteam und alle, die mit ihrer Anwesenheit die Aktion Meißnersteinsetzung erst möglich gemacht haben.

In der Hoffnung euch alle bald wieder zu sehen, verbleibe ich mit einem herzlichen Gut Fahrt!

Von:

Auf schwarzzeltvolk.de erscheinen in loser Reihenfolge Gastartikel von Autoren aus den verschiedensten Bünden. Wir sind immer auf der Suche nach guten Fahrtenberichten, Szeneartikeln und allem was sonst noch so auf schwarzzeltvolk.de passen könnte. Meldet euch einfach bei uns: gastartikel@schwarzzeltvolk.de

Schreibe einen Kommentar